»Natio«, Gemeinschaft, Kult und Nation

Autor(en)
Adelheid Krah
Abstrakt

Der zweite Teil meiner Studie setzt zeitlich nach der Periode der gentilen Rechtsverschriftlichung und der Neustrukturierung des Frankenreiches ein, somit in einer Phase von Gemeinschaftsbildungen mit Sprachdifferenz und Rombezug; aus ihnen sollten sich die europäischen Nationen entwickeln. Entsprechend den in der Forschung für das 10. Jahrhundert konstatierten Entwicklungssträngen kann man wohl schon von »national ausgerichteten« Gemeinschaftskonzepten sprechen; ebenso dient der inzwischen in der Wissenschaftsterminologie etablierte Begriff »Religionssoziologie« dem Verständnis dieser neuen Formen von Gemeinschaft. Die Erneuerung des karolingischen Imperiums durch die Kaiser der Ottonen war ein Gemeinschaftskonzept für ein imperiales Großreich, aber auch für ein Ausgrenzungsmodell. In anderer Weise wurde Ausgrenzung in theologischen und militärischen Gemeinschaftskonzepten umgesetzt. Exemplarisch wird dies einerseits anhand des spirituellen Konzepts der mozarabischen Märtyrergemeinde von Cordoba (850–859) gezeigt und andererseits durch zwei Schnittstellen im Verlauf der karolingischen Bruderkriege (840–843). In beiden Gemeinschaftskonzepten waren Gemeinschaftsbewusstsein, Kult und die Frage nach der eigenen Identität die Parameter für »nationale« Abgrenzung. Die politischen Erfolge des militärischen Gemeinschaftskonzeptes dienten der Gestaltung Europas, der Tod der mozarabischen Märtyrer gab den Impuls für die großen abendländischen Martyrologien.

Organisation(en)
Institut für Geschichte, Institut für Österreichische Geschichtsforschung
Publikationsdatum
01-2026
ÖFOS 2012
601012 Mittelalterliche Geschichte, 601005 Europäische Geschichte
Schlagwörter
Link zum Portal
https://ucrisportal.univie.ac.at/de/publications/f7fbf6e4-5411-45e0-9855-505b06129797